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Inspiriert vom Wahrzeichen Singapurs - einem Löwen mit Fischschwanz - ist diese Geschichte zu Stande gekommen. Lies mehr über Singapur und den Löwen mit dem Fischschwanz auf http://violas-reiseblog.blogspot.com/2017/01/singapur-tag-2.html

Das Märchen vom Löwen mit dem Fischschwanz

Vor vielen, vielen Jahren – als die Insel, die heute Singapur ist, nur ein Dschungel mit einem Fischerdorf an der Südspitze war - lebte ein Löwe, der die Welt entdecken wollte. Eines Abends – das Licht kurz nach Sonnenuntergang tauchte die grüne Insel in blaue Farben – schlich sich der Löwe auf ein großes Boot und versteckte sich hinter dicken Tonnen, die nach Fisch stanken.

Sein Plan, die Welt zu sehen, fing gut an – das Schiff stach in See. Alle Tiere des Dschungels erzählten die Geschichte seiner Abreise. Schon bald gab es Gerüchte, wie weit er wohl gereist war. Leider war das Ende ein tragisches. Schon in der ersten Nacht geriet das Schiff in einen tropischen Sturm. Der Wind peitschte um den Mast, über Deck, zwischen den Tonnen hindurch bis ins Versteck des Löwen. Sein sonst so mutiges Herz pochte vor Angst. Schwarz war es und kalt. Er vermisste den heimischen Dschungel.

Am nächsten Morgen war vom Schiff nichts übrig. Die Matrosen waren ertrunken, der Löwe kämpfte ums Überleben. Da kam ein eleganter, schlanker Fisch auf ihn zu. Die beiden verstanden sich ohne Worte. Der Fisch half den Löwen auf eine kleine Insel, wo er verschnaufen und sich erholen konnten. Er ließ ihn nicht alleine, wartete geduldig darauf, dass sein goldenes Fell trocknen würde. So kam es, dass der Fisch und der Löwe viele Stunden miteinander verbrachten.

Obwohl die beiden alles versuchten, war der Tod des Löwen nicht aufzuhalten – auf der kleinen Insel gab es kein Trinkwasser und immer, wenn sie versuchten zusammen fort zu schwimmen, mussten sie doch wieder umdrehen, weil der Löwe im Wasser schnell ermüdete.

Viele Monate später – der Fisch trauerte noch immer um seinen Liebsten – spürte er etwas. In seinem Bauch zappelte es. So kam es, dass ein Fisch ein Löwenbaby gebar. Doch war das Baby von den Vorderpfoten abwärts mit einem Fischschwanz geziert. Das Wesen atmete über Wasser, schwamm schneller als seine Mutter und liebte die Geschichten vom reisenden Löwen, der sein Vater gewesen war. Doch fühlte er sich nicht wohl, wenn er durch den Ozean schwamm – sein Fell war klebrig und zog ihn in die Tiefe, wenn er für einen Moment nicht dagegen ankämpfte. Darum versuchte das magische Tier zurück in die Heimat seines Vaters zu finden. Seine Mutter ließ ihn schweren Herzens gehen. Sie hatte immer gewusst, dass nichts aus ihrem Glück werden konnte. Sie gehörte ins Meer, der Löwe an Land und das Kind – so sehr sie es liebte – es gehörte nirgendwo hin, nicht in dieser Welt. Sie hatten viele Jahrhunderte miteinander verbracht. Es war Zeit, dass ihr Baby erwachsen wurde. Zum Abschied gab sie ihm einen Namen: Merlion!

Der Fischlöwe suchte nun die weiten des Ozeanes ab – bis er zu einer Insel kam, volle Häuser und Menschen, voller Schiffe und Boote. Die Insel verzauberte ihn. Ohne zu wissen, dass dies einst der Singapuri Dschungel war, aus dem sein Vater gekommen war, schwamm das Wesen zwischen den Wolkenkratzern, den Booten und tausenden Menschen. Immer einsamer wurde das Tier, immer unruhiger. Er fühlte sich hier zu Hause, aber doch allein. Er beobachtete die Menschen, die zu den vielen Geistern, Göttern und Geschöpfen des Himmels beteten. Das Wesen tat es ihnen nach.

Plötzlich wusste es: Es gehörte nicht in den Ozean und nicht an Land, es gehörte in die Welt der Sagen und Mythen, der Märchen und Geschichte. So bat es die Götter und Geister, die Geschöpfe des Himmels, zurück in seine wahre Heimat geschickt zu werden. Sein Wunsch wurde erfüllt.

Noch heute steht der Löwe mit dem Fischschwanz in Singapur – verbunden zwischen Land und Ozean. Er lebt glücklich in der Welt der Sagen und Mythen, der Märchen und Geschichten. Wenn du vor ihm stehst und lauschst, kannst du hören, wie er durch die magische Welt schwimmt, wandert und von ihr erzählt.