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"Gelächter" ist das siebente Thema der Writing Challenge und ich hoffe doch, dass ihr beim Lesen zumindest ein bisschen über den armen Hofnarren lachen könnt, der selbst das Lachen erst kennenlernen muss. "Der Hofnarr, der nicht lachen konnte", ist ein klassisches Kunstmärchen, dass ein wenig auf unsere Welt anspielt. 

Der Hofnarr, der nicht lachen konnte

Es war einmal ein Hofnarr, der geboren wurde, um Hofnarr zu sein. Seine Eltern hatten es von dem Moment an gewusst, da sie zum ersten Mal in sein kleines Gesicht geblickt und gelacht hatten. Sie lachten und lachen und lachten, bis sie sich mit schmerzendem Bauch abwandten.

Auch als der kleine Junge älter wurde, erging es ihm gleich. Kein Mensch konnte ihm ins Gesicht schauen, ohne zu lachen. Manchmal schien es ihm, als würden sogar die Tiere ihr Gesicht zu einem Lächeln verziehen, wenn sie ihn sahen.

Mit dieser Gabe und diesem Fluch war es dem Jungen wie vorbestimmt, Hofnarr zu werden. Also zeigte er sich noch vor seiner Volljährigkeit dem König. Dieser fiel vor Lachen vom Thron, als er ihn sah. Dabei glich sein Antlitz genau dem anderer Männer in seinem Alter. Weder sein Körper, noch sein Gesicht waren entstellt oder etwas Besonders.

So verging Jahr um Jahr und während der königliche Hof bestens amüsiert war, wurde der Mann immer trauriger. Sein Leben lang hatte er Menschen zum Lachen gebracht und dabei selbst kein einziges Mal die Mundwinkel nach oben gezogen und ein Geräusch der Freude aus seinem Rachen gepresst.

Eines Abends lag er traurig in seinem Bett und dachte: „Wenn ich nur wüsste, was mit mir los ist!“ In dieser Nacht erschien ihm eine gute Fee im Traum. Selbst hier musste sie sich vor Lachen den Bauch halten, während sie ihm erklärte, dass er noch vor seiner Geburt von einer alten Hexe verflucht wurde – damit jeder, der ihn erblickte, lachen müsste. „Doch es gibt auch eine Rettung für dich. Wenn du es schaffst ehrlich und von Herzen selbst zu lachen, dann ist der Fluch gebrochen!“, versprach sie ihm, bevor er erwachte.

Am nächsten Morgen verließ der Hofnarr den Dienst des Königs, um loszuziehen, etwas oder jemanden zu finden, der ihn zum Lachen bringen würde.

Zuerst fragte er seine Eltern. „Geh an den Waldrand zu den großen Steinen, dort spielen die Kinder zusammen. Du hast uns immer zum Lachen gebracht und tust es immer noch – doch am leichtesten war es zu lachen, als du noch ein Kind warst. Bestimmt werden dich die anderen Kinder auch zum Lachen bringen“, meinten die Eltern.

Der Mann ging sogleich die Stelle zu suchen, doch es half nichts. Den ganzen Tag beobachtete er die Kinder, die sich verkleideten, Prinz und Prinzessin spielten, von den Steinen purzelten und sich mit Dreck beschmierte. Doch nichts geschah. Er konnte nicht lachen. Schließlich beschloss er den alten Hofnarren aufzusuchen, der vor ihm die Stelle beim König innehatte.

Dieser war zuerst erbost, denn immerhin war er seinetwegen ohne Arbeit, doch dann blickte er in das Gesicht des Mannes und musste so lachen wie in seinem Leben noch nicht. Daraufhin wollte er den Gefallen erwidern. Er erzählte alle Witze, die er kannte, er führte tollpatschige Kunststücke auf und trug die absurdesten Kostüme – doch der Mann lachte nicht.

„Junge, ich bin am Ende mit meiner Kunst, doch ich weiß Rat. Nächste Woche findet im Königreich Villa-Cherium ein Umzug der besten und lustigsten Hofnarren der Welt statt. Geh und sieh' ihnen zu. Dort wird dich bestimmt einer zum Lachen bringen!“

Gesagt, getan. Der junge Mann machte sich auf den Weg. Er fand eine geeignete Stelle, wo der Umzug vorüber kommen würde und wartete. Bald bildete sich eine Menschenmasse um ihn und lachte und lachte – ohne dass der Umzug überhaupt begonnen hatte. Der Mann lachte jedoch nicht, weder mit den Menschen, noch über die Hofnarren, die an ihm vorbeizogen.

Ein Mädchen erspähte ihn und weil er der einzige war, der nicht lachte, wollte sie ihm helfen. „Was hast du denn, junger Mann? Warum lachst du nicht?“, fragte sie und weil er so traurig war, erzählte er ihr von dem Fluch. „Da kann ich dir helfen“, sagte sie kichernd, denn nun hatte sie in sein Gesicht geblickt. Sie zückte ihre kleinen, feinen Hände und begann ihn am Bauch zu kitzeln. Als dass nichts half, fordert sie ihn auf, sich zu setzen. Sie zog seine Schuhe von den Füßen und kitzelte ihn so sehr, wie sie noch nie jemanden gekitzelt hatte. „Hör auf, hör auf!“, sagte der Mann, „Mir kann keiner helfen!“. „Es mag sein, dass ich dir nicht helfen kann“, antwortete das Mädchen traurig, „Doch in einer kleinen Hütte im Wald lebt eine Kräuterhexe. Sie weiß Hilfe bei allen Probleme und sie wird dich bestimmt zum Lachen bringen können.“

Und weil der Mann dem Mädchen so Leid tat, begleitete sie ihn zu der Hexe. „Ach herrje, herrje – ich habe von dir gehört und ich weiß, was du willst. Nicht weit von hier, habe ich eine Pflanze, die dich zum Lachen bringen wird. Ernte das Feld und bring die Ernte zu mir. Ich will dir einen Teil abgeben, damit du lachen kannst“, sprach die Hexe und gackerte glücklich wie ein Huhn.

Der Mann machte sich auf den Weg. Die Beschreibung der Hexe war genau und schon bald fand er ein Feld mit fünfblättrigen, hochgewachsenen, grünen Pflanze. Da war es, dass ihn die Ungeduld packte. Anstatt das ganze Feld zu ernten und zur Hexe zu bringen, pflückte er nur ein paar Blätter und steckte sie ihn den Mund. Dass die Medizin eigentlich getrocknet und geraucht werden musste, wusste er nicht. So kam es, dass auch dieses Gewächs ihm nichts half. Ohne zu dem Mädchen und der Hexe zurückzukehren, zog er weiter.

Als er den Wald verließ und eine Straße betrat, kam eine Pferdekutsche des Weges. „Braucht Ihr Hilfe, mein Herr?“, fragte der Kutscher, doch da blickte er in das Gesicht des Mannes und lachte so sehr, dass er zu Boden fiel. „Niemand kann mir helfen“, meinte der Mann leise und wollte sich schon abwenden, da rappelte sich der Kutscher hoch: „So heftig habe ich noch nie gelacht. Lasst mich wenigstens den Gefallen erwidern!“ „Mich kann keiner zum Lachen bringen. Ich selbst habe noch nie herzhaft und ehrlich gelacht!“, erwiderte der Mann. „Habt Ihr denn nie Wein gekostet?“, fragte der Kutscher bestürzt und als der Mann verneinte, begann er sogleich ein kleines Fass von seiner Kutsche zu hieven. „Es ist ohnehin spät. Wir machen hier Nachtlager und trinken Wein. Ich werde alle Witze erzählen, die ich kenne und bist du berauscht vom Wein, wirst du lachen und nicht mehr aufhören können“, erklärte er. Doch der Mann war müde von seiner langer Reise und kaum hatte er die ersten Schluck des Weines getrunken wurde er schläfrig, doch trank er gierig weiter und weiter.

Der nächste Morgen war ein Schock. Gelacht hatte er nicht, aber dafür brummte sein Schädel und sein Magen wollte sich auf unschickliche Art und Weise entleeren. Der Kutscher entschuldigte sich und wolle ihn wenigstens ein Stück des Weges mitnehmen. Doch der Mann verneinte und ging alleine mit schwerem Kopf weiter.

„Ach, wie soll ich denn je lachen?“, fragte er sich selbst, „Ich habe tollpatschige Kinder beobachtet, meinem alten Hofnarren-Meister gelauscht und den lustigsten und talentiertesten Männern zugesehen. Mein Körper reagiert nicht auf Kitzeln, ein Zaubergewächs und Wein. Wie soll ich denn jemals lachen?“

Traurig ging er weiter und weil sein Kopf so schwer war und schmerzte, freute er sich, als er endlich an einen Fluss kam, um ihn zu kühlen. Als er sich bückte, stand die Sonne gerade recht, dass er im Fluss sein Spiegelbild erblickte. Zum ersten Mal in seinem ganzen Leben sah er sein eigenes Gesicht. Da erging es ihm wie jedem, der sein Gesicht gesehen hatte: Er lachte und lachte und lachte. Er lachte so lange, bis er seinen Bauch halten musste. Da verlor er das Gleichgewicht und fiel in den Fluss. Das kalte Nass erfrischte ihn und die Folgen des Weins waren wie fort gewaschen und mit ihm auch der Fluch der Hexe.

Der Mann kehrte zu seinen Eltern heim und sie lachten nicht, doch freuten sie sich sehr, ihn gesund und geheilt zu sehen. Wenig später traf er auch das Mädchen wieder, dass ihm einst helfen wollte. So kam es, dass die beiden heirateten und den Hof der Eltern übernahmen. Sie führten ein schönes Leben, denn der Mann konnte nun lachen und lebte jeden einzelnen Tage glücklich und zufrieden.