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Dieser Text ist zum Writing Challenge Thema "Mitternachtsblau" entstanden. Gleichzeitig ist er auch von einen Literaturwettbewerb zum Thema "Elfen und Feen" inspiriert.

Feenjagd

„Es war so eine Nacht wie es sie nur ganz selten gibt. Die Sterne sangen ihr Lied von der Ewigkeit, das für unsere Ohren nicht hörbar ist, doch die Bäume lauschten und rauschten, wenn der Wind durch ihre Blätter tanzte.

 In solchen einer Nacht war es, dass die Feen nach Jahrhunderten wieder aus ihren Erdlöchern kamen und ihre Flügel ausbreiteten. Sie tanzten für den Himmel, damit er sie beschützen möge und ihnen langen Frieden schenke, damit sie nicht bald wieder unter die Erde zurückkehren müssten,“, erzählte Delaila, während sie dem kleinen Mädchen die Haare aus der Stirn strich.

„Aber warum waren die Feen so lange weg?“, fragte es und zog sich seine Bettdecke bis zum Kinn.

„Vor vielen, vielen Jahren machten Menschen Jagd auf Feen“, erklärte Delaila, ohne sich wirklich unterbrechen zu lassen: „Für ihre einzigartige Gabe aus Schmetterlingsflügel Kleider so leicht wie der Wind zu weben, fingen die Menschen sie ein und hielten sie gefangen. Darum baten die Feen ihren Himmelsgott, sie zur Ruhe zu legen bis keiner mehr nach ihnen suchen würde. Und so schliefen sie unter der Erde für viele hundert Jahre, bis zu dieser Nacht, als die Sterne sangen und der Wind tanzte. Da kamen sie hervor und seitdem leben sie wieder unter uns – versteckt vor uns Menschen, damit wir nicht noch einmal die Jagd auf sie starten.“

„Aber, warum haben wir die Feen nicht dafür bezahlt, Kleider zu machen?“, fragte das Mädchen. „Ich hätte gerne ein Kleid aus Schmetterlingsflügeln!“

„Scht“, machte Delaila und fuhr fort: „Die Feen waren nie freundliche Geschöpfe gewesen. Ihrerzeit hatten sie selbst auch die Menschen gejagt und ihnen Streiche gespielt. Sie stahlen Menschenkinder und nahmen sie mit unter die Erde. Sie raubten, was sie an Materialien der Menschen finden konnten und manches Mal überkam sie die Lust auf menschliches Blut. Dann würden sie nicht nur die Kinder stehlen, sondern auch die Frauen und Männer und sich von ihrer Lebensenergie nähren. Wir Menschen und Feen sind uns sehr ähnlich. Auf den ersten Blick sind wir liebende Geschöpfe, doch unter der Oberfläche verbergen sich Monster, die zu den grauenhaftesten Taten fähig sind.“

„Aber du doch nicht, oder Mama?“, fragte das Mädchen.

„Nein, wir beide nicht.“

„Aber, wenn die Feen jetzt wieder da sind – können sie mich holen?“

„Nein, wenn sie wirklich wieder da sind, wird es auch wieder genug Menschen geben, die sie jagen und dich beschützen!“, versprach Delaila, „Schlaf jetzt und träum' von etwas Schönerem. Morgen keine Geschichte über Feen, okay?“ Sie küsste ihre Tochter auf die Stirn und verließ das Zimmer.

In einem mitternachtsblauen Mantel, der sich elegant um ihren Körper schlang, trat sie hinaus in eine mondhelle Nacht. Die Farben des Mantels glitten über ihn hinweg, als wäre er aus Wasser selbst gewoben. An der Straßenecke wartete eine zweite Frau auf sie.

„Du hast lange gebraucht!“, beschwerte sich diese.

„Meine Tochter konnte nicht schlafen.“

„Dann lass' uns ein paar dieser Feen finden, damit zumindest wir wieder ruhig schlafen können!“