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Dieser kurze Gedankengang einer Bäckerin/Köchin/Mutter/Hexe - sei sie, was ihr sie haben wollt - ist zum Thema "Herzhaft" entstanden. Es ist für mich ein Experiment einen Inneren Monolog mit einer Erzählung zu verbinden. Natürlich löst es sich hier noch nicht auf, aber ich glaube, das muss es auch nicht, oder?

Nüsse, Teig und Rattengift

Nüsse reiben ist eine Tätigkeit, die nicht nur Muskeln erfordert, sondern auch höchste Konzentration. Viele würden wohl statt mit dem Mörser alles zu zerkleinernde, die Zutaten einfach in einen messerscharfen Mixer geben. Dann ist das Pulver aber zu fein. So wie ich es mache, erwischt man oft noch ein Körnchen, wenn man den fertigen Kuchen in den Mund steckt.

Aber die Früchte, die getrockneten Früchte, gebe ich auch meist in den Mixer. Oder ich schneide sie klein, wenn ich die matten Farben am Ende im Teig sehen will. Den Kindern gefällt es immer, wenn der Kuchen bunt ist. Ob er dann auch gut schmeckt ist denen egal.

Aber dieser Kuchen soll nicht unbedingt gut aussehen. Er soll herzhaft schmecken. Er soll ihnen so gut schmecken, dass sie sich mehrmals nach nehmen und die Reste von ihrem Teller lecken.

Jetzt der restliche Teig. Flüssige Butter und Staubzucker schaumig schlagen. Ha, unter Schaum verstehe ich etwas anderes, aber nach so vielen Jahren hat es wohl keinen Sinn sich über solche Kleinigkeiten aufzuregen. Schnee und Mehl und Schnee und Mehl und noch etwas Mehl und jetzt ein kleiner Schuss flüssigen Rattengifts. Vielleicht auch etwas mehr, damit es auch für alle reicht.

Backen, backen, warum dauert das so lange?

Schön goldbraun und die bunten Früchte leuchten auch heraus. Ein bisschen Verzieren muss auch sein. Auch die Erwachsenen essen Kuchen lieber, wenn er schön aussieht. Hier ein Tüpfchen, da ein Tüpfchen. Ein Schuss Rattengift in die Glasur. Nicht zu viel, man darf es nicht schmecken.

Noch eine Aufschrift. „Für die unfairsten, groß-kotzigsten und hinterhältigsten Menschen“. Nein, natürlich nicht. Lieber keine Aufschrift, bevor sie alles kaputt macht. Nur noch ein paar Stunden, nur noch ein paar, dann sind sie dran.