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Die letzte Mondfinsternis

Wir liegen im Gras und sehen den Mond. Wir haben keine Kamera dabei, kein Teleskop. Unsere Mobiltelefone liegen im Haus, irgendwo, abgeschaltet. Wir haben keine Musik in den Ohren, keinen Bildschirm vor unseren Augen.

Über Nacht

Montag, 04:25 Uhr
Büro der Wetterredaktion – Kanal N7

Manuela Sommer rieb sich die Augen, gähnte ausgiebig und nahm einen großen Schluck aus ihrem Kaffeebecher. Sie hasste die Morgenschicht. Die neuen Daten kamen frühestens um halb fünf. Bis dahin hieß es abwarten, aktuelle Messwerte analysieren. Es war eintönige Arbeit, die sie nie zufriedenstellte.

Mit Herzblut

Der Pinsel weint,
weil die Rosenblätter schweigen.
Sie wohnten auf der Leinwand,
bevor das Blau des Himmels sie begrub.

Bilder der anderen Welt

05:25 Uhr – Der Wecker läutetet mit derselben, ruhigen Klaviermusik wie jeden Morgen, auch wenn es heute beinahe zwei Stunden früher war als üblich. Sylvana zögerte nicht. Mit einem Ruck drehte sie sich auf die andere Seite, deaktivierte die Alarm-App auf ihrem Mobiltelefon und war schon aufgestanden, bevor die Uhr auf 05:26 Uhr springen konnte.

Wunderheilung

„Irgendwie sind wir doch alle ein bisschen verrückt.“ Mit diesen Worten und einem freundlichen Lächeln schloss Dr. Sabine Berg hinter ihrem fünften und letzten Patienten an diesem Tag die Tür. Seit zehn Jahren, auf den Tag gemau, arbeitete sie mit Menschen wie ihm, Menschen, die dachten, sie seien besonders, obwohl sie nicht mehr oder weniger besonders waren als alle anderen Menschen auf der Welt.