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Im Rahmen des Literatur Labors Wolfenbüttel entstanden.

Theater in der Wand

Er raste als grauer Beton. Dann als blauer.
It’s time now, meine Lieben!
Er sprang auf und marschierte mit dem Rucksack durch die Wand, hinein ins Gemäuer und ich folgte ihm. Dorthin, wo Heinz Fridolin wohnte. Seit langem führten sie hier ihre Theaterstücke auf. Manchmal war auch noch eine Biene dabei. Sie leckte am Beton, als wäre er geschmolzener Asphalt.

Liebe Leute, let the show begin!
Das Publikum applaudierte, stampfte auf den Boden, jubelte ihm zu. Da saß auch ich, beobachtete wie er und Heinz eins wurden und über den geschmolzenen Asphalt tanzten, während der Mond über dem Beton aufging, auf dem die Biene festsaß. Dann verwandelten sich die beiden in Bäume und stehen bis heute hier.

Jetzt gehe ich nur mehr alleine in die Wand, um mir Theater anzusehen. Mein Kopf ist leer, hat den Beton wieder ausgespuckt, den er mir damals aus seinem Leben mitgebracht hatte. Er selbst war rasender Beton gewesen. Durch und durch.
Wenn ich heute daran zurückdenke, ist es mehr als grau-blau-fantastisch. Es scheint nie passiert zu sein. Sein Rucksack, sein Freund Heinz und das Publikum. Ganz so, als wäre ich immer schon alleine in der nun leeren Wand gewesen.
So long ist’s gone, meine Lieben.
Sekündlich denke ich zurück, während ich auf Theaterstühlen sitze. Heinz Fridolin kommt mir in den Sinn, das er jetzt ein Baum ist.
So long, liebe Leute.